Doskozil-Bekenntnis zu Lenzing-Werk: Land hat Erfahrung als Impulsgeber für Leitbetriebe
LH Doskozil betont: „Aktive Standortpolitik schaut nicht zu, wenn es um Arbeitsplätze geht“

Die Entwicklungen rund um den Lenzing-Standort in Heiligenkreuz zeigen deutlich: Wenn hunderte Arbeitsplätze, industrielle Wertschöpfung und regionale Leitbetriebe stehen, darf sich die Politik nicht auf das Zuschauen beschränken. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat daher angekündigt, alle wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten zur Unterstützung des Unternehmens und des Standorts zu prüfen. Dafür ist das Land sowohl mit dem Mutterkonzern als auch mit dem Management in Heiligenkreuz selbst in enger Abstimmung.
„Wir werden alle Kräfte mobilisieren, um eine Zukunftslösung für diesen Standort und die Mitarbeiter zu schaffen. Dazu prüfen wir alle Optionen, die eine nachhaltige und langfristige Perspektive ermöglichen“, betont LH Doskozil, der sich diese Woche auch mit dem Betriebsratsvorsitzenden Philipp Perl und Bürgermeister Eduard Zach treffen wird.
Grundsätzlich verfügt das Burgenland über langjährige Erfahrung damit, Betriebe als Partner in entscheidenden Phasen erfolgreich zu begleiten – von Restrukturierungen über strategische Beteiligungen bis hin zu Förderungen zur Absicherung von Wachstum und Innovation.
„Unser Ziel ist klar: Arbeitsplätze sichern, industrielle Wertschöpfung erhalten und Unternehmen Zukunftsperspektiven geben. Natürlich ist es immer am besten, wenn Unternehmen aus eigener Kraft investieren und wachsen. Es gibt aber Situationen, in denen strategische Beteiligungen oder gezielte Unterstützung durch die öffentliche Hand wirtschaftlich vernünftig sind. Nicht aus Ideologie, sondern weil es um die Zukunft eines Unternehmens, um hochqualifizierte Arbeitsplätze und um ganze Regionen geht“, skizziert der Landeshauptmann die Rolle des Landes.
Die öffentliche Hand kann dabei ein wichtiger Impulsgeber sein. Das Burgenland hat in den vergangenen Jahren mehrfach gezeigt, dass durch eine aktive Standort- und Wirtschaftspolitik Betriebe stabilisiert, Wachstum ermöglicht und Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden können. Mit erfolgreichen Ansiedlungen und der Weiterentwicklung von Unternehmen wie Zoerkler, Austria Pet Food, Lumitech, Vossen oder Tool-Tec hat das Burgenland seine Position als leistungsfähiger Industrie- und Produktionsstandort kontinuierlich ausgebaut.
„Jeder Unternehmensfall ist unterschiedlich und muss individuell bewertet werden. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen aber, dass durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, privaten Investoren und der öffentlichen Hand tragfähige Lösungen entstehen können. Das Burgenland hat in unterschiedlichen Situationen Kompetenz bei der Begleitung von Restrukturierungen, Expansionen und Standortentwicklungen bewiesen“, sagt Johannes Stipsits, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Burgenland.
Beispiele:
- Mit Unterstützung des Landes Burgenland und der Wirtschaftsagentur konnte die Sanochemia in Neufeld in einer wirtschaftlich extrem turbulenten Phase ab 2019 stabilisiert und rund 120 Arbeitsplätze gesichert werden. Das Land hatte sich beteiligt und stieg im Jahr 2023 mit einem Gewinn von knapp zwei Millionen Euro erfolgreich aus. Die Opposition hatte den kurzzeitigen Einstieg des Landes damals heftig kritisiert. Mittlerweile beträgt der Mitarbeiterstand fast 200.
- Mit Lumitech wurde ein innovatives burgenländisches Technologieunternehmen durch eine strategische Unternehmensbeteiligung durch den ATHENA-Fonds unterstützt. Damit gehen Investitionen in den Ausbau der Produktion und die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit am Standort Jennersdorf einher.
- Auch bei der Aviation Academy Austria GmbH wurde ein innovatives burgenländisches Unternehmen mittels strategischer Beteiligung auf einen erfolgreichen Entwicklungs- und Wachstumskurs gebracht – die Unternehmensbeteiligung erfolgte über den ATHENA-Fonds und ist nach wie vor aufrecht. Das Unternehmen reüssiert äußerst erfolgreich. Zudem trugen Wirtschaftsförderungen für den Ausbau des Standorts und die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit dazu bei, hochwertige Wertschöpfung im Burgenland nachhaltig zu sichern.
- Nach der Insolvenz der Fassadenfirma Stangl entstand mit der LuST Malereibetrieb & Vollwärmeschutz GmbH in Pöttsching ein wirtschaftlich erfolgreiches Nachfolgeunternehmen. Hierzu hat die Wirtschaftsagentur gemeinsam mit den nunmehrigen Eigentümern das Unternehmen übernommen, stabilisiert und auf einen erfolgreichen Weg gebracht. Unlängst stieg dir Wirtschaftsagentur aus der Beteiligung aus und verkaufte seine Anteile. Zunächst konnten 45 Arbeitsplätze übernommen werden, heute beschäftigt der Betrieb rund 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
- Ein weiteres Beispiel ist FENZ Software in Pinkafeld. Auch hier beteiligte sich das Land über den ATHENA-Fonds, gemeinsam mit anderen Gesellschaftern am Unternehmen. Mit seiner Spezialisierung auf digitale Warenwirtschaftslösungen zu entwickelte sich dieses zum führenden Anbieter im DACH-Raum und konnte Anfang 2024 an die internationale Softwaregruppe Everfield übergeben werden.
- Auch die Austria Pet Food GmbH in Pöttelsdorf steht für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Neben einer aufrechten Beteiligung über den ATHENA-Fonds, tragen Wirtschaftsförderungen zum laufenden Ausbau des Standorts und zur Erweiterung der Produktionskapazitäten bei. Die Investitionen sorgten für 50 neue Arbeitsplätze und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
- Die Firma Vossen in Jennersdorf ist ein besonders erfreuliches Beispiel dafür, dass durch gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen bedeutende Industriestandorte langfristig abgesichert und erfolgreich weiterentwickelt werden können. Der deutsche Mutterkonzern des Unternehmens meldete 1997 Konkurs an, die seinerzeitige Wirtschaftsservice Burgenland AG sprang ein. 2024 wurde ein Rekordumsatz von mehr als 40 Millionen Euro erzielt, 2025 feierte das Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern sein 100-jähriges Bestehen.
„Diese Beispiele zeigen: Aktive Standortpolitik wirkt“, betont LH Doskozil. „Diese Betriebe werden auch in Zukunft Auf und Abs erleben, Garantien gibt es in der Wirtschaft nicht. Aber ohne Intervention der öffentlichen Hand würden etliche dieser Unternehmen nicht so gut dastehen wie jetzt oder gar nicht mehr existieren.“ Zu bedauern sei allerdings, dass sich der Bund und speziell das Wirtschaftsministerium mittlerweile standortpolitisch nur mehr auf eine Zuschauerrolle beschränke und in den letzten Jahren allenfalls durch fragwürdige Privatisierungen wie bei der AUA aufgefallen sei.
„Man sollte in schwierigen Situationen nicht reflexartig jede Form staatlicher Unterstützung ausschließen. Wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist und Arbeitsplätze gesichert werden können, muss die Politik Verantwortung übernehmen. Das Burgenland wird auch künftig ein verlässlicher Partner für seine Unternehmen und Beschäftigten sein“, findet auch der neue Wirtschaftsagentur-Chef Stipsits.
Fotos:
Sanochemia: Archivfoto aus 2018 copyright Pfluegl
Athena: Archivfoto, Landesmedienservice
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsagentur Burgenland GmbH
Hannelore Halwax
Tel: 0664/4228167
E-Mail: hannelore.halwax@wirtschaftsagentur-burgenland.at