Gefährdete Nutztiere schützen bedrohte Wildtiere
2026 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften ausgerufen. Mehr als die Hälfte der Landoberfläche der Erde besteht aus Weidelandschaften: Gebiete, in denen die Vegetation aus natürlichen Gräsern und Sträuchern besteht, die von Vieh und Wildtieren abgeweidet werden.

Strukturwandel in der Landwirtschaft und steigender wirtschaftlicher Druck führen dazu, dass diese Bewirtschaftungsform immer häufiger aufgegeben wird. Mit dem Rückgang der Weidewirtschaft gehen Verbuschung, der Verlust artenreicher Wiesen und ein starker Rückgang vieler Tier- und Pflanzenarten einher.
Die Stiftung Naturparke Österreich unterstützt im Rahmen des Projekts „Gefährdete Nutztiere schützen bedrohte Wildtiere“ österreichweit Beweidungsprojekte in sieben Naturparkregionen. Dabei kommen gefährdete und alte Nutztierrassen zum Einsatz. Auf mehr als 100 Hektar wertvoller Lebensräume übernehmen unter anderem Konik-Pferde, Walachenschafe, Bulgarenziegen, Zackelschafe, Krainer Steinschafe, Tux-Zillertaler Rinder, Pinzgauer Strahlenziegen, Waldschafe und Aosta-Ziegen die Landschaftspflege.
Die Tiere tragen dazu bei, artenreiche Kulturlandschaften offenzuhalten und wertvolle Lebensräume zu erhalten. Davon profitieren zahlreiche gefährdete und seltene Wildtiere wie Kiebitz, Ziegenmelker, Neuntöter, Ziesel, Bechsteinfledermaus, Wiedehopf, Smaragdeidechse und Alpensalamander sowie seltene Schmetterlingsarten wie der Apollofalter und der Schlüsselblumen-Würfelfalter.
Im Naturpark Neusiedler See – Leithagebirge werden wertvolle Trockenrasen und Magerwiesen, unter anderem am Mahdberg in Donnerskirchen, mit Zackelschafen und Pinzgauer Strahlenziegen beweidet. Die extensive Beweidung verhindert die Verbuschung und erhält die offene, strukturreiche Landschaft. Dadurch bleiben wertvolle Lebensräume für Arten wie Smaragdeidechse und Neuntöter sowie für seltene Schmetterlinge und Pflanzenarten erhalten.
Projektpartner ist der Biohof Erharth aus Donnerskirchen. Simon und Matthias Erharth bewirtschaften rund 60 Hektar, darunter rund 25 Hektar wertvolle Magerwiesen im Natura-2000-Gebiet. Mit etwa 140 Zackelschafen und 40 Pinzgauer Strahlenziegen setzen sie auf gefährdete alte Nutztierrassen und verbinden landwirtschaftliche Nutzung mit aktivem Naturschutz.
Durch ein mobiles Weidemanagement können auch verstreut liegende Naturschutzflächen gezielt gepflegt werden. Mit der Unterstützung der Stiftung Naturparke Österreich werden rund 48.000 Euro in modernes Weide- und Transportequipment investiert. Damit kann die Beweidung der bestehenden 25 Hektar langfristig abgesichert und um weitere fünf bis zehn Hektar ausgeweitet werden.
Die Beweidung wirkt dabei auf mehreren Ebenen: Die Tiere halten die Flächen offen, fördern eine vielfältige Vegetationsstruktur und verhindern das Zuwachsen durch Gehölze. Gleichzeitig liefert der Dung der Weidetiere Nahrung für zahlreiche Insekten und Dungkäfer, die wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Tiere bilden. So entsteht ein natürlicher Kreislauf, von dem die gesamte Artenvielfalt profitiert.
Ansprechpartner bei der Stiftung Naturparke: Franz Handler 0676/6384116
Weiterführende Informationen:
Foto: Büro LH-StV.in Haider-Wallner/Hannah Neugebauer